Blendwerk

 

Locker aus dem Handgelenk. Ein schnelles Abschlagen über den Kiesweg. Man muss sie dazu in der Ecke fassen, sonst landet sie verkehrt auf der Schwelle. Bäumt sich auf. Oder ist zerfleddert und auseinander gezogen wie eine Handharmonika.
Heute hab ich es hingekriegt.
Eine Spitzenleistung. Ohne ein Flattern. Ohne ein Rascheln ist sie genau dahin geschlittert, wo ich sie haben wollte. Satt. Mit einem leisen Schleifen im rechten Winkel vor das rotlackierte Portal mit dem Goldknauf. Gleich wird Herr K. die Tür öffnen. Eine sanfte Morgenbrise fährt in sein Seidenpyjama. Die Luft ist dünn hier oben, oh Freunde! Er bückt sich. Noch bevor seine Hand nach der Zeitung greift, kann er die oberste Schlagzeile lesen.
Er will es so. Die übrigen Abonnenten wünschen ihre Zeitung im Briefkasten. Jeden Morgen. Einmal im Monat liegt ein Magazin bei. Die Bündel sind dann schwerer als sonst. Noch schwerer als die Wochenendausgabe.
Es ist kühl. Ich fröstle. Unten liegt die Stadt im Schlagschatten des Bergs.
In der Schräge überquere ich die Straße. Von Nummer 21 zu Nummer 32. Es stinkt nach Katzenpisse. Der Rolli holpert über den Gehsteigrand.
Die Katze ist heute nicht da. Manchmal hockt sie auf der Steinmauer und beobachtet mich misstrauisch.
Hin und wieder begegne ich auch dem Fuchs. Aber im Sommer ist er zu dieser Tageszeit nicht mehr unterwegs. Er kennt mich, glaube ich. Im Winter, als es noch dunkel war um diese Zeit, tauchte er plötzlich hinter einer Hausecke auf. Er verharrte reglos. Ich blieb stehen. Stille. Mein Herz pochte laut. Wir schauten uns an. Seine roten Augen. Ich sagte Guten Morgen. Er hob die Vorderpfote. Dann ging er über die Straße und verschwand in einer Hecke, ohne Eile. Sein Schwanz schleifte über den Asphalt und zog eine Spur in die hauchdünne Schneeschicht.
Er ist mein Freund. Wir sind uns irgendwie verwandt, glaube ich.
Manchmal, bei Ostwind, hört man aus der Ferne die Wölfe im Zoo heulen.