Vier Finger breit

Der Steppe angepasst steht mein ger!

Geschmeidig und stark formen die Zweige des Sandelbaums achtfach den Lotus, zusammengefügt mit dem Beinfell des Hirsches, den ich, der grosse Jäger Schunchlai, in den Bergen des Chalcha Landes erlegt habe.

Siebentausend Schafe geschoren, die Wolle fein gezettelt mit Weideruten auf den Teppich Mutter des Filzes ausgebreitet mit Molke mit Wasser besprüht und gerollt in das Leder Vater des Filzes gewickelt und gepresst und gewalkt, bis eine jede Faser, ein jedes Haar, ein jedes Fädchen hundertfach umarmt und verbunden ist undurchdringlich.

Siebzig einjährige Fohlen in die Koppel getrieben, das Mähnenhaar seidenweich geschnitten geflochten zu Schlingen und Seilen und auf die Erde hingestellt das Wandgitter aus dem Holz des Changgaj Chan gemäss dem Sonnenlauf.

Jetzt aber den Filz weiss leuchtend gespannt!
Jetzt aber festgezurrt die Gurten von hinten nach vorn, von oben nach unten!

Zum Süden hin offen steht die Tür korallenrot, auf dem Dach liegt die Peitsche.
Beim Abend hängen Sattel und Zaumzeug und Lederschläuche prall, die schwitzende Stutenmilch mit dem Knüppel geschlagen.
Beim Morgen liegen Decke und Felle auf Truhen gefaltet.
Zum Norden hin unter der Goldenen Säule wohnen die Götter.
Im Scheitelpunkt aber steht der eiserne Kessel, der Rauch küsst fliehend den Wolkenkragen, und lächelnd verneigt sich die Braut vor dem Feuer.
Nicht Regen nicht Schnee, nicht Glut nicht Frost, nicht Wind nicht Sturm, nicht Zorn nicht Neid können ihr schaden, denn Yün Chien vierzüngig schützt mein Zelt und alle, die in ihm wohnen.

Sain baino!

Tritt ein, Fremdling, du Wesen vom Himmel gefallen, und meide die Schwelle, bist du Mensch oder Gott, eingefettet mit Butter und in Filz gehüllt dem Leben erhalten.
Setz dich auf den weissen Teppich!
Koste von Aaruul, von Choormog und trink vom berauschenden Kumys.
Wohlhabend sollst du sein, glücklich und kinderreich!
Wenn du heimkehrst berichte den Steinhaus-Menschen so lange du lebst von den Taten der Filzzelt-Leute, doch bedenke: vier Finger ist der Abstand zwischen Augen und Ohren, zwischen Lüge und Wahrheit, zwischen innen und aussen.

Und sieh: seidenrot der Schaft, weiss gesteppt die Filzsohle geht der Tsamtänzer in seinen Schuhen sicher wie ein Yak und leicht wie ein Fohlen.