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Alinor folgte mit den Augen der Hand des Mädchens. Hinter dem Lager erstreckten sich sanfte, mit Ginster, Dornbüschen und knorrigen Olivenbäumen bewachsene Hügel. In einer kleinen Senke, nahe einer einsam stehenden Eiche, gewahrte Alinor einen Reiter. Auf dem ausgestreckten linken Arm des Mannes sass ein Falke. Daneben stand mit gesenktem Kopf ein zweites angezäumtes Pferd. Reiter, Pferd und Falke waren bewegungslos, zu einem Bild erstarrt.
Gebannt schaute Alinor zu dem Baum hinüber. Das Bild, das sie sah, entstammte einer fernen Welt. Es tauchte auf aus ihrer Kindheit, es nährte ihre Sehnsucht nach zu Hause, nach den Ebenen der Vendée, den Hügeln des Morvan. Sie sah sich mit Violander durch Wälder jagen, Äste schlugen ihr ins Gesicht, sie ritt über offenes Land und hörte den Schrei des Falken und die Stille. Ja, sie hörte die Stille, das atemlose Warten der Jäger auf die Rückkehr des Vogels.
Sie begann zu laufen, dem Bild entgegen. Sie schürzte ihren Rock und rannte, hörte, wie Lieutaud entgeistert hinter ihr herbrüllte: "Alinor, so kehr doch um! Das sollst du nicht tun!"
Aber sie gab keine Antwort. Erst auf halbem Weg dreht sie sich um.
"Warte nicht!", rief sie. "Ich bin vor Sonnenuntergang zurück. Wenn nicht, dann töte Noureddin!"
Dann stand sie vor dem Reiter. Sein Pferd war ein Falbe mit schwarz glänzenden Augen und einer gezöpfelten Mähne. Das Gesicht des Mannes war von einem schwarzen Tuch verhüllt, sie sah nur die dunklen Augen. Täuschte sie sich, oder lachten sie spöttisch? Der Mann hatte eine mit Stickerei verzierte Tasche umgehängt. Sie sah den ausgestreckten Arm, die Hand mit dem dicken ledernen Handschuh. Der Falke war ein prächtiger Vogel, das goldfarbene Gefieder glänte, under trug ein Häubchen mit einem kleinen Federbusch, das nur die Nasenlöcher und den Schnabel freiliess. Er trug ein Häubchen! Das Geschühe war mit einer kurzen Wurffessel ausgerüstet.
Ohne ein Wort zu sagen stieg Alinor in den Steigbügel des Pferdes, das neben dem Reiter stand. Es war ein schwarzer Hengst mit schlanken Fesseln und dunklen Augen und das schönste Tier, das Alinor je gesehen hatte. Einen Augenblick hielt sie verlegen inne. Dann raffte sie kurzentschlossen den Rock bis über die Knie und schwang sich auf den Pferderücken. Es war ungehörig, aber es war ihr einerlei. Der Mann streifte mit einem flüchtigen Blick ihre kräftigen, braungebrannten Beine, musterte sie, als versuchte er, ihre Gesichtszüge hinter dem Tuch zu erahnen, betrachtete ihre Hände.
Er nickte ihr zu.
"Yusuf el-Bahili", sagte er. Seine Stimme verriet weder sein Alter noch eine Gemütsgewegung. Das Pfer hob den Kopf, wieherte leise.
Alinor nickte. "Alinor de Ruhinon", sagte sie.