Cola-Fröschchen

Buchcover von Cola-Fröschchen

Es hat aufgehört zu regnen. Ich habe noch etwas Zeit und mache einen Umweg über den Stadtpark. Er liegt hinter dem Bahnhof. In der Mitte gibt es einen Weiher mit Seerosen und einem Gehege mit Wasservögeln. Aber das Beste am Park sind die schmalen Wege. Sie sind geteert und wie geschaffen fürs Rollbrettfahren. Jetzt dampfen sie vor Nässe. Beim Springbrunnen füttert eine alte Frau die Tauben.

"Gutt gutt gutt!", ruft sie und wirft Brosamen auf den Boden. Ich fahre auf meinem Brett mitten in die Vogelschar hinein. Die Tauben stieben hoch. Wie ein Wirbelsturm flattern sie um meinen Kopf und die alte Frau schimpft. Beim Gartenrestaurant mache ich einen kurzen Halt. Aber der Ausschank ist geschlossen, die grünen Metallstühle stehen zusammengeklappt und mit Ketten gesichert gegeneinander gelehnt. Auf den Tischen glänzen kleine Wasserpfützen. Es tropft von den Bäumen. So kurve ich halt ein bisschen zwischen den Blumenbeeten hindurch.

"Pass doch auf!", ruft eine Frau und zieht schnell ihr Kind zu sich heran. Natürlich passe ich auf. Ich meine, ich bin einer der besten Skater der Schule. Was denkt sie nur!

Ganz scharf vor einem Hindernis mit einem Ollie abzudrehen, das ist doch keine Sache! Jetzt gerade hatte ich Lust, weiter zu fahren, immer weiter, bis zum Ende der Strassenbahnlinie ... Über die Brücke, wo die Züge vorbeidonnern, und auf der anderen Seite des Flusses den Weg zum Wald einschlagen. Im Wald würde ich mir eine Baumhütte bauen. Ganz oben in einer Baumkrone, wo man nur mit einer Strickleiter hinkommt.

Von dort sieht man über die ganze Stadt. Ich ernähre mich von Beeren und Pilzen und Wurzeln und das Wasser hole ich mir aus einer Quelle. Ich schlafe auf einem Polster aus Laub und Moos. Im Dach der Hütte ist ein Loch, genau über meinem Kopf. Durch das Loch kann ich die Sterne sehen. Vielleicht sind auch wieder Fahrende dort. Manchmal stehen ihre Wohnwagen am Waldrand. Die Frauen kochen im Freien und hängen die Wäsche zwischen den Bäumen auf.

Ich könnte ja mit ihnen wegfahren. Das wünsche ich mir schon lange. Ja! Dann kann die Mama ihren Balg mal suchen. Aber vielleicht würde sie sich gleich ein anderes Kind holen, irgendwo. Waisenhäuser gibt's genug. Und dann hat sie ja noch Jule.

Jule mit den blonden Lockchen. Jule mit der Stupsnase. Jule Goldkind. Jule Nervensäge. Jule Kack-in-die-Windeln.