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Das stillgelegte Fabrikgebäude war in der Nahe des Hafens. Man erreichte es über einen Parkplatz, der jetzt leer und verlassen lag. Öllachen glänzten perlmutterfarben. Vor dem Eingang standen Gruppen von Jungen und Mädchen. Das Hämmern der Bässe hallte im Treppenhaus wider. Fanny und Meret stiegen hinauf. Im obersten Stockwerk schlugen ihnen laute Musik, Stimmengewirr und Gelächter entgegen. Zigarettenqualm vernebelte den Raum. Eine dicht gedrängte, auf- und abwogende Menschenmenge. Auf der einen Wand flimmerte ein Videoclip. Die herumstehenden Mädchen und Jungen zeichneten sich davor in Umrissen ab. Im hinteren Teil war eine Bar. Die Leute drängten sich auf Hockern, andere standen rauchend, ein Glas in der Hand, an der Theke. Durch die bis unter die Decke reichenden Fenster sah man die Lichter des Hafens und die beleuchteten Wohnhäuser jenseits des Wassers. Meret zog Fanny mit sich. Sie stellte ihr einige Mädchen vor, aber die Musik war so laut, dass Fanny die Namen nicht verstand. Die Mädchen rauchten einen Joint und schienen sich ohnehin nicht sonderlich für sie zu interessieren.
"Ich hol uns was zum Trinken!", schrie Meret ihr ins Ohr und verschwand Richtung Bar.
Fanny lehnte sich etwas abseits mit dem Rücken an die Wand. Vor ihr tanzte ein Mädchen ganz allein. Es wiegte seinen Oberkörper mit gesenktem Kopf im Rhythmus der Musik hin und her. Die Arme baumelten neben ihrem Körper. Eine Stoffpuppe.
Dumpf hämmerten die Bässe im Zwerchfell. Der Boden vibrierte. Fanny schaute den Tanzenden zu. Plötzlich ging das Licht aus. Stroboskopblitze schossen ins Dunkel. Die Menge löste sich auf in einzelne Glieder. Wild zuckende, hüpfende, sich schüttelnde Arme Beine Köpfe, ein grosses zappelndes Lichtwesen, das im Rhythmus der Musik atmete. Fanny mischte sich in den Taumel, schloss die Augen. Die Blitze schlugen schmerzhaft auf die Lider, der Beat hämmerte im Kopf bis ihr Körper nur noch Musik und Bewegung war, bis die Schädeldecke wegflog.
Als es wieder hell wurde, sah sie den Jungen, an eine Säule gelehnt, die Hände in den Hosentaschen. Fanny erkannte ihn an dem blauen Tuch, das er über eine Schulter geworfen hatte. Es sah genau wie auf dem Flyer aus. Der Junge hielt den Kopf etwas vorgestreckt, als wittere er Gefahr.
Fanny starrte ihn an. Ohne ihn aus den Augen zu lassen, hockte sie sich hin. Sie war ausser Atem. Ihr Mund war trocken. Der Pullover klebte auf der Haut. Die Fusssohlen brannten. Sie achtete nicht darauf. Sie schaute und starrte. Als Meret zurückkam und ihr ein Glas unter die Nase hielt, schreckte sie hoch.