Plötzlich waren sie da. Die Bourbaki Armee in der Schweiz

SJW - Schweizerisches Jugendschriftwerk 2026
ISBN: 978-3-7269-0473-9
ab 12 Jahren

Die Internierung französischer Truppen in der Schweiz Vom 1. bis 3. Februar 1871 überschritten im Jura grosse Kontingente der Armée de l’ Est, der sogenannten Bourbaki-Armee, auf der Flucht vor den deutschen Truppen die Grenze zur Schweiz, unter anderem bei … Weiterlesen

Die Internierung französischer Truppen in der Schweiz

Vom 1. bis 3. Februar 1871 überschritten im Jura grosse Kontingente der Armée de l’ Est, der sogenannten Bourbaki-Armee, auf der Flucht vor den deutschen Truppen die Grenze zur Schweiz, unter anderem bei Les Verrières, Sainte-Croix und Vallorbe. Auch Zivilisten befanden sich unter den Flüchtenden. Der Vertrag von Les Verrières zwischen den Generälen Hans Herzog (Schweiz) und Justin Clinchant (Frankreich) vom 1. Februar regelte den Grenzübertritt und die Internierung der rund 87 000 Soldaten und Offiziere.

Alle Angehörigen der französischen Armee wurden innerhalb weniger Tage mit der Bahn in zahlreiche Schweizer Gemeinden gebracht, wo sie einquartiert, versorgt und gepflegt wurden. Nach dem am 26. Februar zwischen Frankreich und Deutschland ausgehandelten sogenannten Vorfrieden von Versailles konnten alle in ihre Heimat zurückkehren. Die Schweiz stellte Frankreich für ihre Dienste eine Rechnung von etwas über 12 Millionen Franken, die bis im August 1872 beglichen wurde, worauf sämtliche Waffen und Munition an Frankreich zurückgegeben wurden.

 

Der Deutsch-Französische Krieg

Auslöser des Konflikts war die Kriegserklärung des französischen Kaisers Napoléon III. an den Preussenkönig Wilhelm I. wegen eines diplomatischen Streits. Am 2. August 1870 drangen bei Saarbrücken französische Truppen auf deutsches Territorium ein. Der Preussenkönig reagierte umgehend, indem er fast eine halbe Million Armeeangehörige über den Rhein und die Maas nach Frankreich schickte. Andere deutsche Staaten, zum Beispiel Bayern, Baden-Württemberg oder Hannover, schlossen sich den preussischen Truppen an. Innerhalb kurzer Zeit stiessen diese nach Paris vor, das über Wochen belagert und ausgehungert wurde und sich schliesslich ergab. Ein Aufstand der Pariser Bevölkerung, die sogenannte Pariser Kommune, wurde im Mai 1871 blutig niedergeschlagen. Viele Tausende Einwohner wurden von den eigenen Regierungstruppen hingerichtet.

Der «Frankfurter Frieden» beinhaltete die totale Kapitulation Frankreichs und eine Reparationszahlung von 5 Milliarden Francs an die Siegermächte (Preussen und die im Krieg verbündeten deutschen Länder).

Für Frankreich war der Krieg mit Hunderttausenden militärischen und zivilen Opfern und Gefangenen sowie dem Verlust von Lothringen und dem Elsass (mit Ausnahme von Belfort) ausserordentlich traumatisch.

Die deutsche Reichsgründung und die Konstituierung des Deutschen Kaiserreichs als Zusammenschluss der Deutschen Bündnis-Staaten zum „Deutschen Reich“ im Jahr 1871 war eine unmittelbare Folge des Deutsch-Französischen Kriegs.

 

Das Bourbaki Panorama

Das «Bourbaki Panorama» wurde 1881 vom Maler Edouard Castres in Genf gemalt. Ab 1889 wurde es in der extra dafür gebauten Rotunde in Luzern ausgestellt. Es war eines der zahlreichen im 19. Jahrhundert auf der ganzen Welt entstandenen Rundbilder.

Auf der reich bebilderten, interaktiven Website des «Bourbaki Panoramas» www.bourbakipanorama.ch können sämtliche Informationen zum historischen Hintergrund, zur Internierung und zur Entstehung und Bedeutung des Rundbilds sowie zahlreichen damit verbundenen Themen abgerufen werden.

Die Szenerie im Panorama ist eine fiktive künstlerische Darstellung der Geschehnisse. So hat zum Beispiel das Zusammentreffen von General Hans Herzog und General Justin Clinchant am 1. Februar 1871 in dieser Form nie stattgefunden.

 

Der Text

Die sieben ausgewählten Figuren erzählen in kurzen Momentaufnahmen die Ereignisse vom 1. bis 3. Februar aus ihrer ganz persönlichen Sicht. Der Text beruht zum Teil auf biografischen Dokumenten, der grösste Teil ist aber von der Autorin unter Berücksichtigung realer Gegebenheiten frei erfunden.